Achtung, starker Pollenflug! Viele Menschen überlesen diese Meldung schnell – nicht aber Eltern von Kindern mit Neurodermitis oder Ekzemen. Denn Pollen können empfindliche Haut zusätzlich reizen und starken Juckreiz auslösen. Warum verschlechtern sich Ekzeme bei Pollenflug – und was kannst du jetzt tun, um die Haut deines Kindes zu schützen?
Aktualisiert am 4.3.2026
Inhaltsverzeichnis
Ekzeme im Frühling: Warum Pollen die Haut reizen können
Endlich sprießen die ersten Frühblüher aus der Erde. Mit jedem Atemzug nehmen wir den Duft des Frühlings auf. Unsere Haut genießt die ersten warmen Sonnenstrahlen und der Vitamin-D-Spiegel steigt.
Doch für viele Kinder mit Neurodermitis oder empfindlicher Haut beginnt mit dem Pollenflug auch eine schwierige Zeit: Ekzeme können sich verschlechtern und der Juckreiz nimmt zu.
Der Frühling ist wunderschön – wären da nur nicht die Pollen. Gerade Kinder mit Neurodermitis oder empfindlicher Haut reagieren häufig besonders stark auf den Pollenflug. Während die Haut sich eigentlich von der trockenen Heizungsluft des Winters erholen könnte, können Pollen Ekzeme und Juckreiz zusätzlich verstärken.
Pollen gehören zu den sogenannten Umweltallergenen. Bei Menschen mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) können diese Allergene Hautschübe auslösen oder bestehende Ekzeme verschlimmern. Die Haut reagiert dann mit Rötung, Trockenheit und starkem Juckreiz.
Kurz & wichtig bei Pollenflug
Etwa 70–80 % aller Menschen mit Neurodermitis reagieren sensibel auf Pollen.
Wichtig zu wissen: Nicht jedes Kind, dessen Ekzeme sich beim Pollenflug verschlechtern, leidet automatisch an einer Pollenallergie.
Eine allergische Sensibilisierung kann sich entwickeln – muss aber nicht.
Können Pollen Ekzeme auslösen?
Ja, Pollen können Ekzeme auslösen oder bestehende Neurodermitis verschlechtern. Bei Kindern mit empfindlicher Haut reagieren Immunsystem und Hautbarriere besonders sensibel auf Umweltallergene. Gelangen Pollen auf die Haut, können sie Juckreiz, Rötungen und Entzündungen verstärken – auch ohne klassische Pollenallergie.
Warum reagieren Ekzeme so stark auf Pollen?
Ekzeme entstehen häufig dann, wenn die Haut auf bestimmte Umweltfaktoren überreagiert. Besonders bei Neurodermitis (atopischer Dermatitis) reagiert die Haut empfindlich auf Auslöser wie Pollen, Hitze, Wolle oder Hausstaubmilben.
Anders ist dies beim atopischen Ekzem. Hier reagiert das Immunsystem auf Dinge, die grundsätzlich harmlos sind, mit Juckreiz und Ekzemen.
Warum reagieren Ekzeme besonders stark auf Pollen?
Bei Kindern mit Neurodermitis ist die Hautbarriere geschwächt. Dadurch können Umweltfaktoren wie Pollen leichter in die Haut eindringen und Entzündungsreaktionen auslösen.
Die Haut von Kindern mit Neurodermitis ist besonders sensibel. Ihre natürliche Schutzbarriere kann Umweltreize wie Pollen, Staub oder Hitze nicht ausreichend abschirmen. Dadurch gelangen diese Reizstoffe leichter in die Haut und können dort Entzündungsreaktionen auslösen.
Das musst du dir in etwa so vorstellen: Die Hautbarriere, also die äußerste Schutzhülle (die Epidermis) ist gestört; sie ist – bildlich gesprochen – brüchig. Darüber entweicht Feuchtigkeit, was zu einer noch stärkeren Austrocknung führt. Über die „brüchige“ Hautoberfläche dringen Trigger sehr leicht in die tieferen Hautschichten ein.
Als Folge kommt es zu Hautrötungen, Juckreiz und Ekzemen.
Besonders während des Pollenflugs im Frühling reagieren viele Kinder mit Neurodermitis stärker auf diese Umweltreize.
Die folgende Grafik zeigt vereinfacht, warum die Haut von Kindern mit Neurodermitis empfindlicher auf Umweltreize wie Pollen reagieren kann: Ist die Hautbarriere geschwächt, entweicht Feuchtigkeit leichter – und Reizstoffe gelangen schneller in die Haut.
Pollenstaub kann ein juckreizfördernder Provokationsfaktor sein. Gerade während des Pollenflugs reagieren viele Kinder mit Neurodermitis empfindlicher auf Umweltreize.
Blütenstaub ist dabei nur ein Puzzleteil: Auch Staub, Hitze, Schweiß oder Reibung durch Kleidung können die Haut zusätzlich stressen. Wenn du verstehst, wie diese Faktoren wirken, kannst du im Alltag leichter erkennen, was der Haut deines Kindes guttut – und was sie eher reizt.
Pollenallergie bei Neurodermitis: Heuschnupfen und Asthma
Kinder mit Neurodermitis (atopischem Ekzem) haben ein etwas höheres Risiko, im Laufe ihres Lebens auch eine Pollenallergie zu entwickeln. Wenn das passiert, zeigen sich die Symptome meist an den Atemwegen oder an den Augen. Ist dies der Fall, zeigt sich die Allergie an den Atemwegen oder in den Augen.
Typische allergische Reaktionen sind zum Beispiel:
- allergischem Asthma
- Heuschnupfen (allergische Rhinitis)
Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma gehören zum sogenannten atopischen Formenkreis. Das bedeutet: Diese Erkrankungen treten häufig gemeinsam oder nacheinander auf, weil sie ähnliche Ursachen im Immunsystem haben.
Was bedeutet der „atopische Marsch“?
Als atopischen Marsch bezeichnet man die typische Entwicklung allergischer Erkrankungen im Kindesalter. Häufig beginnt sie mit Neurodermitis im Babyalter, später können Heuschnupfen oder allergisches Asthma hinzukommen.
Bei manchen Kindern verläuft dieser sogenannte atopische Marsch ungefähr so:
- Atopisches Ekzem: In den ersten 6 Lebensmonaten treten erste Anzeichen auf (z. B. Ekzeme).
- Allergisches Asthma: Zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr kann allergisches Asthma hinzukommen.
Im weiteren Verlauf tritt manchmal zusätzlich allergische Rhinitis (Heuschnupfen) hinzu.
Mit diesen Infos möchte ich keine Angst schüren. Denn wie bereits erwähnt: Das sind alles Kann-Situationen. Dein Kind ist ein Individuum. Es kann sein, dass sich die Neurodermitis deines Kindes in den ersten Lebensjahren vollständig zurückbildet – es kann aber auch sein, dass weitere Formen atopischer Erkrankungen hinzukommen.
Wie du dein Kind bei Pollenflug vor Ekzemen schützt
Kinder mit Neurodermitis reagieren oft empfindlich auf Pollen. Um Ekzeme zu vermeiden, ist es wichtig, den direkten Hautkontakt mit Blütenstaub möglichst gering zu halten. Das gelingt vor allem durch Schutz der Haut, regelmäßiges Reinigen nach dem Aufenthalt im Freien und eine gute Hautpflege.
Die wohl sicherste, aber nicht immer einfachste Strategie, um dein Kinder vor unliebsamen Reaktionen auf Pollen zu schützen ist die Vermeidung. Insbesondere für Kinder, die am atopischen Ekzem erkrankt sind, ist es wichtig den direkten Hautkontakt mit Blütenstaub bestmöglich einzuschränken.
Für Kinder mit Ekzemen ist besonders wichtig:
Haut vor direktem Kontakt mit Pollen schützen
Haut nach dem Aufenthalt im Freien reinigen (Duschen oder Gesicht waschen)
Haare regelmäßig waschen, da sich Pollen darin sammeln
Kleidung wechseln, wenn dein Kind draußen gespielt hat
Hautbarriere mit rückfettender Pflege stärken
Pollenbelastung im Alltag reduzieren
Auch wenn sich Pollen in der Luft nicht vollständig vermeiden lassen, kannst du mit ein paar einfachen Maßnahmen die Pollenbelastung für dein Kind deutlich reduzieren. Gerade bei Kindern mit Neurodermitis lohnt es sich, den Kontakt mit Blütenstaub im Alltag möglichst gering zu halten.
- Kleidung nach dem Spielen draußen wechseln
- Haare abends waschen
- Gesicht und Hände reinigen
- Schlafzimmer möglichst pollenarm halten
- Wäsche nicht draußen trocknen
Während der Pollensaison sind besonders Gräser und bestimmte Bäume starke Auslöser für allergische Reaktionen und Hautreizungen.
Wenn ihr einen Garten habt, kannst du zusätzlich versuchen, die Pollenbelastung rund ums Haus etwas zu reduzieren.
Tipps für Gartenbesitzer zur Reduzierung der Pollenbelastung
- Mähe deinen Rasen regelmäßig, damit Gräser gar nicht erst stark blühen und weniger Pollen freisetzen.
- Pflanze möglichst keine stark pollenproduzierenden Bäume oder Büsche in unmittelbarer Nähe zum Haus (z. B. Birke).
Besonders während des Pollenflugs im Frühling können diese kleinen Maßnahmen helfen, Juckreiz und Ekzeme etwas zu reduzieren.
Häufige Pollenquellen im Frühling und Sommer
Bäume
- Birke
- Erle
- Hasel
Gräser
- Ruchgras
- Knäuelgras
- Honiggras
Kräuter
- Beifuß
- Spitzwegerich
Besonders hilfreich ist ein Blick auf den aktuellen Pollenflugkalender. Dort kannst du sehen, welche Pollen gerade in deiner Region unterwegs sind und wann die Belastung besonders hoch ist.
Wenn du diese einfachen Rahmenbedingungen geschaffen hast, lohnt sich ein weiterer Blick darauf, wie Pollen überhaupt auf die Haut deines Kindes gelangen – und wie du das im Alltag reduzieren kannst.
Kann Kleidung vor Pollen schützen?
Ja, Kleidung kann tatsächlich helfen, den direkten Hautkontakt mit Pollen während des Pollenflugs zu reduzieren. Gerade bei Kindern mit Neurodermitis oder empfindlicher Haut kann es sinnvoll sein, empfindliche Hautstellen möglichst gut abzuschirmen.
Langärmelige Kleidung schützt beispielsweise Arme und Beine vor Blütenstaub. Wichtig ist jedoch, dass die Kleidung selbst die Haut nicht zusätzlich reizt. Raue Stoffe, kratzende Nähte oder Wolle können empfindliche Haut weiter belasten.
Viele Eltern achten daher auf besonders weiche, glatte und hautfreundliche Materialien wie hochwertige Baumwolle, die die Haut möglichst wenig reizen. Einen Überblick über unsere speziell entwickelte Kleidung für sensible Kinderhaut findest du hier:
Quick-Tipps für den Alltag in der Pollenflugzeit
- Kontakt reduzieren: Haut möglichst abdecken und nach dem Spielen draußen Kleidung wechseln.
- Pollen entfernen: Hände und Gesicht reinigen, Haare abends waschen.
- Zuhause pollenarm halten: Schlafzimmer lüften, Wäsche möglichst nicht draußen trocknen.
Stärke die Hautbarriere, um Ekzeme zu vermeiden
Neben hautfreundlicher, langärmeliger und atmungsaktiver Kleidung spielt auch die richtige Hautpflege eine wichtige Rolle. Gerade bei Kindern mit Neurodermitis oder empfindlicher Haut ist die Hautbarriere oft geschwächt.
Wie in der Grafik zur Hautbarriere gezeigt, ist die äußere Schutzschicht der Haut bei Neurodermitis häufig trocken und „brüchig“. Dadurch können Reizstoffe wie Pollen, Staub oder Reibung leichter eindringen und Entzündungsreaktionen auslösen.
Je besser die Haut gepflegt wird, desto leichter fällt es ihr, diese äußeren Reize abzuwehren.
Mehr Tipps zur Pflege empfindlicher Kinderhaut findest du hier:
Pollenflug und Ekzeme: Interview mit Hautexpertin Ramona
Pollen und Ekzeme, das sind zwei Themen, die auch Heilpraktikerin Ramona Wanninger (Praxis Sena) zur Frühlingszeit besonders beschäftigen. Umso mehr freue ich mich, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen im folgenden Interview mit uns teilt.
Liebe Ramona, viele Babys und Kinder reagieren auf UV-Strahlung, Pollenflug oder auch auf ganz andere Reize mit Hautausschlägen. Woran erkenne ich, dass die Ausschläge Pollen geschuldet sind?
Eine allergische Hautreaktion kann sehr vielfältig sein. Das häufigste Symptom ist in der Regel starker Juckreiz, aber auch Rötungen, Schwellungen und Quaddeln so wie auch nässende Hautstellen sind möglich. Ein allergischer Hautausschlag durch Pollen kann sich – immer wieder mal – auch im Gesicht manifestieren.
Die Symptome treten innerhalb von Sekunden bis Minuten auf. Typische Auslöser sind eben hier die Pollen
Kindern mit Neurodermitis macht der Pollenflug im Frühling häufig ganz besonders zu schaffen. Denn rund 70-80% aller Kinder mit einem atopischen Hautbild reagieren auf Umweltallergene, wie eben Pollen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Neurodermitis und einer Pollenallergie?
Obwohl die Neurodermitis ein eigenständiges Krankheitsbild ist, tritt sie sehr oft zusammen mit einer Allergie auf, beziehungsweise sind es Allergien, die Neurodermitis-Schübe verstärken können.
Die ohnehin bereits angegriffene Neurodermitis-Haut wird durch Allergene zusätzlich irritiert. Flechten in den Kniekehlen und Ellenbeugen sowie am Hals, hinter den Ohren, im Gesicht und an den Armen sind die Folge.
Nicht immer bedeuten Hautreaktionen (z.B. Ekzeme) auf Pollen, dass eine Allergie vorliegt. Bei einer sogenannten Airborne Contact Dermatitis (auch aerogenes kontaktallergisches Ekzem) kann die Neurodermitis-Haut mit Ekzemen reagieren, ohne dass eine Allergie diagnositiziert wurde. Was passiert hier mit der Haut?
Ganze 70-80% aller Kinder, die am atopischen Ekzem leiden, reagieren auf Umweltallergene wie zum Beispiel Pollen.
Die feinen Pollen können nämlich durch ihre instabile Hautbarriere in den Körper gelangen und Ekzemschübe hervorrufen. Diese Form der atopischen Dermatitis nennt sich „Airborne Contact Dermatitis“ oder „Aerogenes kontaktallergisches Ekzem“.
Es tritt hauptsächlich im Gesicht und auf dem Hals auf. Aber auch Hände und Unterarme können betroffen sein.
Lassen sich eine Pollenallergie oder auch eine Airborne Contact Dermatitis gezielt behandeln, zum Beispiel durch eine Immuntherapie?
Ja! Patienten können von einer spezifischen Immuntherapie profitieren. Die spezifische Immuntherapie erzeugt eine Toleranz gegenüber dem relevanten Pollenallergen.
Wichtig: Die spezifische Immuntherapie ist nicht zur Behandlung der Neurodermitis zugelassen.
Schützt eine intensivere Basispflege die Haut vor dem Eindringen von Pollen oder führt das Anhaften von Pollen auf der „klebrig“ cremigen Haut vielmehr dazu, dass sich das Hautbild verschlechtert?
Eine Basispflege spielt immer eine besondere Rolle.
Allergene können bei einen Barrieredefekt – so wie es bei Atopikern der Fall ist – leichter in die Haut eindringen. Eine gute Basispflege sollte auch bei der Airborne Contact Dermatitis angewandt werden.
Denn der Lipidfilm stellt hier eine Barriere dar, die verhindert, dass Allergene in die Haut eindringen.
Schützt langärmelige Kleidung vor dem Kontakt mit Pollen?
Langärmelige Kleidung, die möglichst viel Haut bedeckt, kann die neurodermitisauslösenden Stoffe abschirmen.
Bitte immer abwägen – es bringt nicht viel, wenn das Kind zu stark eingemummt ist und unglücklich ist.
Es sollte am besten abends kurz und lauwarm gebadet werden, um die Pollen abzuspülen und getragene Kleidung sollte nicht im Schlafzimmer / Wohnraum liegen bleiben.
Am besten, ab in die Wäsche damit.
Welche Tipps kannst du betroffenen Eltern außerdem mit auf den Weg geben? Wie lassen sich Neurodermitis-Schübe und/oder den Pollen geschuldete Ekzeme verhindern?
Als wichtige Maßnahme gilt die Basispflege, also das tägliche Eincremen am ganzen Körper und im Gesicht. Dafür eignen sich spezielle Medizinprodukte, die der gestörten Hautbarriere fehlendes Fett und Feuchtigkeit zuführen und so die natürliche Abwehrfunktion der Haut wieder herzustellen.
Die Basispflege bildet einen leichten Schutzfilm auf der Haut, der Pollenallergene fernhält und dafür sorgt, dass die Haut den Pollenflug gut übersteht.
Noch wichtiger ist es jedoch, keine oder weniger Schübe zu bekommen.
Dabei können Probiotika helfen. Lebende Milchsäurebakterien, die sich günstig auf die Darmflora auswirken und darüber auch Hauterkrankungen lindern können. Die Bakterienvielfalt auf befallenen Hautstellen von Patienten mit Atopischer Dermatitis ist oft geringer und verschoben.
Achtung Ernährung!
Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln ist ein Thema, das eine wichtige Rolle spielen kann.
Bei Betroffenen die unter Heuschnupfen leiden, treten häufig auch Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln auf. Die Allergene der Pollen sind allergieauslösende Eiweißstoffe und ähneln in der Struktur den Eiweißstoffen von bestimmten Lebensmitteln.
Tipp:
Neurodermitis-Patienten weisen oft auch einen zu geringen D3-Spiegel auf. Hier sollte ebenso – immer nach Absprache mit dem Therapeuten/Arzt – therapiert werden.







