Trocken werden in Faultier Manier

Warum das Trocken werden keine Frage der Zeit ist. So landet die Windel auf Faultier Manier in der Erinnerungsbox. 

Trocken werden: eine Frage der Zeit

Chill n Feel - Trocken werden in Faultier Manier

Jonas ist windelfrei aufgewachsen, Amelie entschied sich mit 24 Monaten fürs Trocken werden. Nur dein Sohn macht mit seinen 3 Jahren keinerlei Anstalten, die Windel durch ein Töpfchen ersetzen zur wollen.

Jonas entwickelt sich den Normkurven entsprechend gut. Mit 2 Jahren hakt der Kinderarzt zufrieden die 25 Wörter ab, die er zu diesem Zeitpunkt können sollte.

Amelie artikuliert sich an ihrem 2. Geburtstag mit wilden Gesten und versucht den Großen tonlos klar zu machen, dass sie gerne von der Torte naschen möchte.

Dein Sohn hingegen scheint ein kleines Sprachgenie zu sein. Da fallen bereits Sätze wie: „Mama, wann besuchen wir Moritz?“.

Was nur ist bei diesen drei Kindern anders gelaufen bzw. was hätten wir als Eltern besser machen können? Nichts, rein gar nichts.

Wir können vieles beeinflussen, indem wir Werte und Handlungen vorleben, indem wir sozusagen Modell stehen für unsere Kinder. Ein Kind, das immer Bitte und Danke hört, wird sich eine elegantere Ausdrucksweise aneignen, als ein Kind, das ständig mit Phrasen wie „So ein Sch…“ oder „Verdammtes …“ konfrontiert wird. Wann das Bitte und Danke aber kommt, darauf haben wir wiederum keinen Einfluss.

Denn und das soll die Kernaussage dieses Beitrags sein: wir können vieles kontrollieren und steuern, nicht aber die körperliche Entwicklung unserer Kinder! Das obliegt einzig und allein der Zeit!

Wenn die Zeit reif ist …

Bei der körperlichen Entwicklung gibt es zwar statistische Richtwerte und Normkurven, doch diese – so wage ich einfach einmal ganz frech zu behaupten – dürfen getrost vernachlässigt werden, solange du ein gesundes Kind mit einwandfrei funktionierenden Organen hast.

Jedes Kind setzt bei der körperlichen Entwicklung andere Prioritäten; natürlich unbewusst. Jonas´ Darm und Blase haben dank eines frühen Windelverzichts erst gar nicht verlernt, Alarmzeichen zu senden, wenn sie voll sind. Die Schließmuskeln konnten sich früher entwickeln.

Bei Amelie waren Darm und Blase trotz Windel schon so früh damit beschäftigt, stark zu werden, dass weniger Kapazitäten für die Sprachentwicklung blieben. Gewiss wird sie an ihrem 3. Geburtstag bereits nach einem Tortenstück fragen können. Denn während Darm und Blase Urlaub haben, kann das Sprachzentrum Gas geben.

Dein Sohn ist so mit dem Sprechen beschäftigt, dass sich Darm und Blase hinten anstellen müssen. Erst wenn er hier ein Stück zurückfährt und sein Körper bereit ist für eine neue Baustelle, ja dann, wird die Windel in der Erinnerungsbox landen; und das gewiss schneller als du denkst.

Zurück zum Thema Trocken werden. Der Darm deines Sohnes befindet sich noch im Faultier-Modus. Das wäre nicht weiter schlimm, würde neben deiner eigenen Erwartungshaltung nun nicht auch noch die Kindergärtnerin Druck machen.

Auf Druck reagieren die Schließmuskeln trotzig

Endlich hast du dich von der Vorstellung gelöst, dein Kind müsste immer zu den Vorreitern gehören, das bereits mit 6 Monaten durchschläft, mit 20 Monaten die 25 Wörter laut U7-Vorgabe beherrscht und kurze Zeit später ohne Mucks die Windel ablegt.

Und dann, ausgerechnet dann kommt die Kindergärtnerin auf dich zu und meint, es sei nun wirklich an der Zeit mit dem Töpfchentraining zu beginnen.

Töpfchentraining*, bitte was? 

Jetzt bloß nicht nervös werden. Drück ganz schnell mal auf den Stopp-Knopf!

* Auf das gewuenschtestes-wunschkind.de gibt es einen sehr lesenswerten Beitrag zum Töpfchentraining unserer Vorgeneration.

Statt 1 Schritt vor, 2 Schritte zurück

Nur kurz vorweg. Lass das Wort Töpfchentraining jetzt erst einmal so stehen, schließlich willst du mit der Erzieherin kein Fass aufmachen, oder?

Tu nun eines: trete 2 Schritte zurück! Nimm aus sicherer Entfernung eine passive Beobachterposition ein. Achte fortan auf Zeichen deines Sohnes. Bring Darm und Blase bloß nicht in Bedrängnis, denn wie die Erzieherin wollen auch die Schließmuskeln nicht provoziert werden.

Dein Kind will trocken werden: erste Zeichen erkennen

So zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr wird das Thema Windel, Klo und Klobürste für viele (nicht für alle!) Kinder interessant.

Achte auf folgende Zeichen

  • Dein Kind drückt die Klospülung für dich und möchte direkt im Anschluss nach der Klobürste greifen.
  • Es macht bewusst auf die volle Windel aufmerksam (mit Worten oder Gesten).
  • Es hat Freude daran, sich selbst die Hose herunterzuziehen. 
  • Dein Kind setzt sich ohne Hilfe aufs Töpfchen oder erklimmt die Klobrille über einen Hocker (das darf ruhig noch mit Kleidung passieren).
  • Es macht dir schon vor dem großen Geschäft deutlich, dass da bald was kommt.
  • Die Zeiträume, in denen die Windel leer bleibt, betragen durchschnittlich 3-4 Stunden.
  • Wickeln wird zum Kraftakt: wenn das Wickeln nicht mehr gewollt ist, kann das ein Hinweis darauf sein, dass dein Kind in diesem Bereich selbstständig werden will.

Dein Gefühl und die Zeichen, die du beobachtet hast, verraten dir, dass ein guter Zeitpunkt gekommen ist, um gemeinsam in eine neue, windelfreie, Lebensphase zu starten? Dann lass dich von dem folgenden Schritt für Schritt Guide durch diese Umbruchphase begleiten.

In dem Guide findest du Tipps und Tricks, die bei vielen Eltern bzw. Kindern gut funktioniert haben. Taste dich langsam an kleine Hilfsmittel heran, die zu deinem Kind passen könnten. Wie immer gilt auch hier: Less is more. Zu viel Verschiedenes solltest du nicht ausprobieren, denn das verwirrt und setzt dich wie auch dein Kind unnötig unter Druck.

Und noch eines, bevor wir ins Detail gehen: Lasst euch Zeit! Pausiert ein paar Wochen, sobald es mühsam wird und wagt dann einen erneuten Versuch. Irgendwann klappt es garantiert!

Trocken werden: 10 Tipps und Tricks

Auf geht´s ins Abenteuer Trocken werden!

  • Klo-Lektüre

Bücher können einen ersten Ansporn für dein Kind geben. Wenn Leo Lausemaus plötzlich ohne Windel aufs Klo geht, dann muss man das doch gleich selbst mal ausprobieren.

Bücher dienen aber nicht nur als sanfte Einstimmung aufs Trocken werden, sie sorgen gleichzeitig für Unterhaltung. 

Warum baust du neben dem Töpfchen / Klo nicht eine kleine Kinderbibliothek auf. Bücherschauen auf dem Töpfchen macht Spaß und entspannt. Da flutschen die erste Versuche manchmal wie von alleine. Und erste Erfolgserlebnisse machen Lust auf mehr!

  • Teddy/Puppe/Wichtel braucht keine Windel mehr

Vielleicht hat dein Kind ein liebstes Kuscheltier oder eine Lieblingspuppe. Dann übt doch das Trocken werden erstmal spielerisch mit Puppe bzw. Kuscheltier.

Es gibt spezielle Puppen-Töpfchen, aber diese Anschaffung muss nicht unbedingt sein. Bastelt doch aus einem größeren Joghurtbecher ein Spiel-Töpfchen, nehmt eine Holzschüssel oder setzt den liebsten Freund direkt auf das eigene Töpfchen.

Wohnt bei euch auch ein Wichtel? Auch Wichtel müssen mal zur Toilette. Wir haben für unseren Finn einfach ein Klo aus dem Puppenhaus vor die Wichteltür gestellt. Sogar Klopapier-Rollen in Miniatur könnt ihr ganz einfach selber basteln. Anleitungen findet ihr auf unserem Pinterest Board: Wichteltür fürs Kinderzimmer.

Wenn der das kann, kann ich das doch auch! Vielleicht springt der Funke beim Spiel über 😉

So einfach ... mit dem richtigen Klo-Begleiter

  • Wenn ich groß bin ...

Der einfachste und entspannteste Weg zum Trocken werden ist, wie bei allem, das Vorleben. Nimm dein Kind mit aufs Klo. Papa und Mama sollten das tun. Gibt es ein großes Geschwisterkind?

Dann gibt es sogar einen ganz besonders großen Anreiz zum Nachmachen. Denn der große Bruder oder die große Schwester sind die liebsten Vorbilder. Wünscht das große Kind seine Privatsphäre gibt es einen einfachen Trick, der bis zu einem gewissen Alter womöglich toleriert wird: Lass dein Windelkind durch den Türschlitz gucken.

Wenn ihr eine ältere Toilettentür aus Holz habt und/oder ihr künftig noch mehrere Kinder durch die Trocken werden – Phase begleiten dürft, dann wäre auch ein kleines Guckloch in kindlicher Augenhöhe eine Überlegung wert. Dazu braucht es lediglich eine Bohrmaschine und ein klein wenig handwerkliches Geschick.

  • Töpfchen hier und dort

Wohnt ihr in einem größeren Haus, solltet ihr mehr als nur ein Töpfchen aufstellen. Aus den Augen aus dem Sinn. Dieser Spruch passt auch beim Trocken werden. Zu schnell vergessen Kinder im Spiel all ihre körperlichen Bedürfnisse. Wenn sie jedoch immer mal wieder an einem Töpfchen vorbeikommen, können Darm und Blase Alarm schlagen.

  • Hilfe, Mama?

Kinder lieben es zu helfen, vor allem dann, wenn auf Knopfdruck etwas passiert. Die Klospülung hat daher einen ganz besonders großen Reiz. Wann immer dir dein Kind seine Hilfe beim Spülen anbietet, nimm diese dankend an!

  • Das Ausziehen muss von alleine gehen

Ist dein Kind noch nicht in der Lage, alleine aus seiner Hose zu schlüpfen, wird es vermutlich wenig Freude am Klogehen haben. Schließlich gehört das gesamte Prozedere – angefangen bei Ausziehen bis hin zur Klospülung – zum Großwerden dazu.

Besonders einfach werden die ersten windelfrei-Versuche mit Kleidern und Schlupf-Hosen ohne Knopf und Gürtel.

Trainingskleidung zum selbstständigen Trocken werden

  • Mama hat dir eine coole Unterhose gekauft!

Letztens hast eine richtig coole Lightning McQueen Unterhose für deinen Sohn erstanden. Was wenn du ihn nun einfach fragst, ob er seine Windel gegen diese coole Unterhose tauschen möchte?

Tu das nicht! Dein Kind wird höchstwahrscheinlich auf das unwiderstehliche Angebot eingehen. Er kann gar nicht anders. Nur heißt das noch lange nicht, dass Darm und Blase diese Idee genauso cool finden. Wenn die tolle Auto-Unterhose nach 5 Minuten nicht mehr so toll aussieht und riecht, dann kann die erste Unterhosen-Erfahrung schnell in Frust umschlagen.

Erst wenn dein Kind bewusst und von sich aus (!) nach einer Unterhose verlangt oder seine Windel abgeben möchte, dann rate ich dir dazu, die McQueen Unterhose auszupacken.

  • Wenn der Darm die Zeichen sendet

Plötzlich wird es ganz ruhig im Kinderzimmer. Oder aber dein Kind klagt über Bauchschmerzen. Vielleicht entwischt ihm auch ein muffeliger Pups. Du kennst dein Kind und weißt, wie es sich kurz vor seinem großen Geschäft verhält.

Versuche den Moment zu erwischen, indem noch nichts in die Windel gegangen ist und frag, ob ihr gemeinsam aufs Klo gehen wollt.

Entweder dein Kind verschwindet ganz schnell unter dem Küchentisch oder es läuft freudig in Richtung Klo. Bei der Küchentisch-Szene solltest du nicht weiter nachhaken. Dein Kind möchte dieses Thema noch mit sich selbst und seiner Windel ausmachen.

  • Wie der König auf dem Thron

Der Thron deines kleinen Windelkönigs sollte komfortabel und ansprechend sein. Nimm dir daher ausreichend Zeit für die Suche nach dem richtigen Töpfchen. Vielleicht möchtest du dein Kind sogar mit ins Geschäft nehmen, damit es selbst beim aussuchen helfen kann.

Eine Alternative zum Töpfchen sind Aufsätze für die große Toilette. Frag doch dein Kind, was es „cooler“ findet.

Wichtig ist auch, dass dein Kind bequem auf seinem Klo sitzen kann. Die Schüssel muss über einen stabilen Hocker erreichbar sein und die Füße sollten beim Sitzen einen guten Bodenkontakt haben. Baumelnde Beine verengen nämlich die Schließmuskeln!

  • Angst vorm Klomonster

Manchen Kindern ist das Klo richtig unheimlich. Vielleicht finden sie noch Gefallen daran, hineinzupieseln. Aber beim großen Geschäft muss dann doch die Windel her.

Mach deinem Kind das Klo vertraut. Du kannst zum Beispiel den Inhalt der vollen Windel immer mit deinem Kind gemeinsam ins Klo kippen. Erkläre ihm, dass der Windelinhalt nun über die Spülung auf eine weite Reise geschickt wird. Spülen darf natürlich dein Kind.

Erfinde lustige Geschichten und mach ihm darüber das Klo zum unterhaltsamen Freund, dann verliert es seine Angst irgendwann von ganz alleine.

Und plötzlich gehts wieder in die Hose

Chill n Feel - Langsam trocken werden_Puppe für Jungs Pirat

… da hilft nur ausharren und erneut probieren (Foto: Piraten-Puppe Sam)

Es gibt tatsächlich Kinder, die sind nach dem ersten Geschäftchen auf der Toilette trocken; auch nachts. Allerdings spreche ich da von den wenigen Ausnahmen.

Das Trocken werden beginnt meistens tagsüber. Dreimal gehts ins Töpfchen, einmal in die Hose. Diese Relation ist natürlich nur ein Beispiel. Aber so in etwa könnte es aussehen. Kommt dein Kind über einen längeren Zeitraum tagsüber ohne Windel aus, könnt ihr der Nachtwindel an den Kragen gehen.

Leg einen Nässeschutz unter das Leintuch und frag dein Kind, ob es Lust hat, nachts einmal ohne Windel zu schlafen. Schnell wirst du herausfinden, ob das eine gute Idee war. Wird das Bettzeug gleich in der ersten Nacht nass, überlasse die Entscheidung ob es direkt einen erneuten Versuch starten will, deinem Kind.

Wenn es sich mit Windel einfach noch sicherer fühlt, dann solltest du ihm diesen Wunsch keinesfalls verwehren.

Neuer Versuch, neues Glück! Immer schön sportlich sehen und bloß keinen Groll heben, wenn es nach einigen Erfolgen zu herben Rückschlägen kommt.

So solltest du auf keinen Fall bei Pipi- oder Kackaunfällen reagieren:

  • Schimpfe nicht!

Das Letzte was dein Kind möchte ist dich zu enttäuschen. Denn die Angst vor Liebesentzug ist einfach zu groß. Statt zu schimpfen könntest du sagen: „ Macht nichts. Durch Unfälle lernen wird. Schon bald schaffst du es rechtzeitig aufs Töpfchen. Lass es uns einfach wieder probieren.“

  • Bestrafe nicht!

Es gibt überhaupt keinen Grund, ein Kind zu bestrafen, nur weil Blase oder Darm schneller waren als dein Kind. Kein Kind pieselt sich absichtlich an.

Stärke dein Kind, denn das Trocken werden ist ein verdammt großer Entwicklungsschritt, der viel Geduld und Durchhaltevermögen erfordert.

Faultier-Devise: langsam aber nachhaltig

Wie so vieles im Leben geht es beim Trocken werden nicht um einen Wettkampf. Hinter einem Wettkampf steht ein enormer Leistungsdruck. Blase und Darm mögen keinen Druck.

Im Gegenteil, ist die Erwartungshaltung zu groß, kommt es schnell zu Kommunikationsproblemen zwischen Blase und Schließmuskel. Häufige Pipi-Unfälle sind die Folge.

Und der Darm, der reagiert gerne mit Verstopfung auf Druck von außen.

Darum nochmal: das Wichtigste beim Trocken werden ist herauszufinden, wann dein Kind reif für diesen großen Schritt ist.

Warte diesen Zeitpunkt ab! Spielt es denn wirklich eine so große Rolle, wann es soweit ist? Früher oder später nutzt doch jeder die Toilette.

Trocken werden kann dein Kind nur ganz allein. Aber du hast es in den Hand, aus diesem großen Schritt ein besonders schönes Ereignis werden zu lassen.

Autor: Martina

Schwangerschaft, Baby, Alltag mit Baby. Überall liest man, wie anstrengend das Leben als Mama sein kann. Bei Chill n Feel hingegen geht es um Positive Vibes, um kleine Auszeiten, Chill-Momente, Wohlfühltipps und die dazu passenden Wohlfühlprodukte für die Kleinsten. Und die Autorin? Das bin ich: Martina, Gründerin von Chill n Feel, glückliche Mama von 2 kleinen Jungs und Träumerin von einer schönen Welt, in der jedes Lebewesen mit Respekt behandelt wird.

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